BASILIKA

Die Basilika

Die der Jungfrau und den Heiligen Hermagoras und Fortunatus geweihte Basilika von Aquileia weist eine architektonische Entwicklung auf, die auf die Jahre nach 314 n.Chr. zurückgeht, als das Edikt von Mailand den religiösen Verfolgungen ein Ende setzte und die christliche Gemeinschaft ihre erste Kirche gesetzmäßig bauen konnte. Nach der Zerstörung dieser ersten Kirche, die auch Bischofssitz war, wurde sie in den darauffolgenden Jahrhunderten von den Aquiläern sogar viermal wiederaufgebaut. Dabei wurden die neuen Bauten auf den Überresten der vorherigen Gebäude errichtet. Die Bauphasen lassen sich wie folgt unterteilen: theodorianische Kirche aus der ersten Hälfte des 4.Jh., post-theodorianische Nordhalle aus der Mitte des 4.Jh., post-theodorianische Südhalle aus dem Ende des 4.Jh. oder zweite Hälfte des 5.Jh., Kirche des Patriarchen Maxentius aus dem 9.Jh.; Kirche des Patriarchen Poppo aus der ersten Hälfte des 11.Jh., Wiederaufbau der Abdeckung, von den Spitzbögen bis zum Dach zur Zeit des Patriarchen Markhard, 14.-15.Jh. Die heutige Basilika weist größtenteils romanisch-gotische Formen auf. Im imposanten und feierlichen Inneren atmet man eine tiefe Geistigkeit ein, die im Laufe der Jahrhunderte immer spürbarer wurde. Der Boden besteht aus einem wunderschönen, farbigen Mosaik aus dem 4.Jh., das von Archäologen 1909-12 ans Licht gebracht wurde. Die elegante kielförmige Holzdecke stammt aus dem 15.Jh. Zwischen Fußboden und Decke sind also über tausend Jahre alte geschichtlich-historische Ereignisse zusammengefaßt. Mit 750 Quadratmetern ist der Fußboden das größte frühchristliche Mosaik der westlichen Welt; bereits er allein ist für den Besucher, der hierher kommt, Belohnung für die lange Reise, um die Ecclesia Mater, dieses Weltkulturerbe, zu besichtigen. Das Mosaik wurde Ende des 4.Jh., bzw. nach Meinung anderer Experten in der zweiten Hälfte des 5.Jh., durch den Bau der rechten Säulenreihe zum Teil beschädigt. Die Fundamente der Säulen sind freigelegt, weil zu Beginn des 20.Jh. der aus weißroten Fliesen bestehende, mittelalterliche Boden aus der Zeit des Patriarchen Poppo (1031) entfernt wurde, um dem wertvollen frühchristlichen Mosaikboden Platz zu machen. Die gläsernen Laufstege befinden sich auf derselben Höhe wie der mittelalterliche Boden. Vom Eingang der Kirche aus können wir den Mosaikboden bewundern. Das Mosaik bedeckte den Fußboden der theodorianischen Südhalle, eine der drei Haupträume des Bischofssitzes, der zur Zeit des Kaisers Konstantin errichtet wurde. Die im Fußboden eingebrachte Inschrift (die eine Szene des Fischfanges darstellt) bezeugt, daß Theodorus einen Kultkomplex bauen lassen hat, der den liturgischen Bedürfnissen der damaligen Zeit perfekt entsprach. Nachdem er einen Stadtteil mit Lagerhäusern gekauft hatte, wurden diese abgerissen und an ihrer Stelle entstand ein Komplex in der Form eines Hufeisens: zwei parallel zueinander stehende, rechteckige Hallen (Südhalle und Nordhalle), die durch einen ebenfalls rechteckigen Querraum verbunden waren. Zwischen den zwei Parallelräumen östlich der Querhalle befanden sich ein Taufbecken, Diensträume und der Eingang zum Baukomplex. Von diesem Baukomplex kann man folgende Teile besichtigen: in der Basilika das Mosaik der Südhalle, Teile des aus Cocciopesto gefertigten Bodens der Querhalle und Teile des Mosaiks des Eingangs. In der Krypta der Ausgrabungen sieht man die erhalten gebliebenen Mosaiken der Nordhalle, die Überreste des Cocciopesto der Verbindungshalle und die Bodenflächen der Diensträume; das ursprüngliche Baptisterium mit rundem Taufbecken ist nicht sichtbar. Einige Historiker sind der Meinung, daß die Südhalle für den Glaubensunterricht und die Nordhalle für die Gottesdienste benutzt wurden; andere behaupten das Gegenteil. Der Verbindungsraum diente sowohl als Umkleideraum, der vor der Taufe nach dem Ritual des Untertauchens im Wasser benutzt wurde, als auch für die Erteilung des Sakraments der Konfirmation.

Die Mosaiken

Wenn wir uns auf dem Laufsteg bewegen, sehen wir die erste Szene mit dem Kampf zwischen dem Hahn und der Schildkröte. Der Hahn, der das Licht des neuen Tages ankündigt, stellt Christus, "das Licht der Welt", dar. Die Schildkröte, dessen aus dem Griechischen stammender Name "Bewohner der Finsternis" bedeutet, ist das Symbol des Bösen. Einige Schritte weiter rechts sehen wir die Szene des Guten Hirten mit der mystischen Herde . Christus wird jung und bartlos dargestellt und trägt das verlorene Schäfchen auf den Schultern. In der Hand hält er eine Syrinx, die Hirtenflöte, das Symbol der Lieblichkeit, mit der er sich um seine Herde kümmert. Der Hirte ist von Land-, Himmel- und Wassertieren umgeben. Damit wird unterstrichen, daß zu seiner Herde alle Menschen der Erde "guten Willens", unabhängig von ihrer Rasse und Kultur zugehören. In den Medaillons sieht man die Bildnisse von Wohltätern (ein Mann mit Toga, eine verschleierte Frau sowie Mädchen); in den anderen runden Rahmen sind die vier Jahreszeiten personifiziert (jedoch nur Sommer und Herbst, weil Winter und Frühling durch die Basis der Säulen zerstört wurden); ferner ist der akrostische Fisch ICHTYS (ichtys bedeutet auf Griechisch "Fisch"; die Buchstaben stellen die Initialen der Worte Iesus Christòs Theu Yòs Sotér dar, die "Jesus Christus Sohn des rettenden Gottes" bedeuten). Neben dem Teppich mit den Porträts sieht man Szenen mit Anbietern und mit der christlichen Viktoria . Die klassische, mit Flügeln ausgestattete Viktoria mit einer Lorbeerkrone und dem Palmenzweig für den Sieger in der Hand wurde zur christlichen Viktoria, welche die gegen die Sünden gewinnenden Gläubigen mit der Eucharistie belohnt. Die große Szene des Fischfanges wurde vom Meister der Meere durchgeführt und weist auf die Predigt des Evangeliums der Apostel hin ("Folgt mir und ich werde euch zu Menschenfischern machen" Matth. 4-19). Die Fische sind die Menschen, die auf die frohe Botschaft hören. Das Boot ist die Kirche und das Netz und die Angelschnur symbolisieren das Himmelreich ("Das Himmelreich ist wie ein großes Netz, das ins Meer geworfen wurde… Matth. 13-49). Mitten im Meer sieht man drei Szenen aus dem Leben des Jonas, die den Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi erzählen: Jonas wird vom Ungeheuer veschluckt, Jonas wird vom Ungeheuer ausgespien und Jonas ruht unter der Kürbislaube

Die Krypta der Fresken

Die architektonische Struktur stammt aus dem 9.Jh. und der schöne Freskenzyklus aus dem 12.Jh. 19 Szenen schmücken das Gewölbe mit Episoden aus dem Leben des Hermagoras, welche die Ursprünge des Christentums in Aquileia erzählen. Der (sagenhaften) Überlieferung nach schickte der Heilige Petrus den Heiligen Markus nach Aquileia, in die Hauptstadt der zehnten augusteischen Region, um das sogenannte Venetia et Histria zu evangelisieren. In den vier Lünettenbildern sieht man die Szenen der Passion Christi und des Todes Maria; auf den Sockeln sind Heiligenbilder angebracht; im Hauptgewölbe sind die thronende Madonna mit dem Kinde zwischen den Evangelistensymbolen und der thronende Christus zwischen den Engeln dargestellt

Die Apsis

Der Freskenzyklus der Apsis ist aus der ersten Hälfte des 11.Jhs.. Seitlich der Mandorla mit der thronenden Madonna sind die Märtyrer aus der Geschichte Aquileias dargestellt: rechts Hermagoras, Fortunatus und Euphemia (die die Gruppe der Vier Jungfrauen Aquileias darstellt), links der Evangelist Markus, Hilarius und Tatian.

Der Christus des Schützengraben

An der Ecke auf einer Säule steht die Büste des Christus des Schützengrabens, eine eindrucksvolle und rührende Statue, die vom Bildhauer und Soldat des Ersten Weltkriegs Edmondo Furlan geschaffen wurde.

Das Heilige Grab

Wenn man das linke Seitenschiff entlang geht, findet man in der Nähe des Eingangs zur Krypta der Ausgrabungen das Heilige Grab . Das Denkmal aus dem 11.Jh. gibt die Anastasis-Kirche (der Auferstehung) wieder, die in Jerusalem in der spätantiken Zeit auf dem Heiligen Grab Christi errichtet wurde. In der Vergangenheit wurde diese Struktur für die Liturgie der Karwoche benutzt

Die Krypta der Ausgrabungen

Die Krypta der Ausgrabungen ist ein unterirdisches archäologisches Gebiet, das sich unter dem Garten, der den Glockenturm umgibt, befindet und wo archäologische Überreste von vier verschiedenen Epochen sichtbar sind. Entlang der Route bemerkt man auf der Ebene des Laufsteges das Cocciopesto des Bodens der theodorianischen Querhalle (Beginn des 4.Jh.). Die tiefste Ebene besteht aus Mosaiken eines Einfamilienhauses (domus) aus der Zeit des Kaisers Augustus (Ende 1.Jh. v.Chr. - Beginn 1.Jh. n.Chr.). Auf der obersten Ebene sind Teile des Mosaiks und die Stützen der Säulen der post-theodorianischen Nordhalle (Mitte des 4.Jh.) sichtbar, die von Attila im Jahre 452 zerstört wurde. Nicht sofort verständlich sind die Überreste der Lagerhäuser aus dem 3.Jh., die nach der domus errichtet wurden und vielleicht bis zur Zeit des Theodorus benutzt wurden. Durch den antiken Eingang gelangt man zur theodorianischen Nordhalle, wo man wunderschöne Mosaiken bewundern kann. Hier werden zahlreiche Tiere (insbesondere Vögel aber auch der Hippogryph) in seltsamen Haltungen (die Languste auf dem Baum) oder mit besonderen Gegenständen, die reich an symbolischen Bedeutungen sind (der Bock mit Horn und Krummstab) dargestellt. Sie spielen auf die Wahrheiten des Glaubens, auf die christlichen Tugenden und auf das ewige Leben im Paradies an. Rund um die Grundmauer des Glockenturms kann man weitere Mosaiken (Widder, Kampf zwischen Hahn und Schildkröte, Kaninchen, Davidstern) und die Überreste des Taufbeckens des zweiten Baptisteriums (der post-theodorianischen Nordhalle) sehen. Nach dem Verlassen der Basilika kann man das dritte Baptisterium (der post-theodorianischen Südhalle) besichtigen, das ein für die Diozäse von Aquileia typisch sechseckiges Taufbecken aufweist. Auch der Glockenturm des Patriarchen Poppo kann besichtigt werden.

Das Baptisterium

Das Baptisterium, das zeitlichdritte in Aquileia erricheteteTaufgabäude, ist das Ergebnisverschiedener Änderungen und Umgestaltungen. Bei seiner Errichtung unter BischofChromatius ( 4 Jh) war sein Grundriss quadratisch. Später wurde diese Grundriss dann von eine machteckigen abgelöst, zur Erinnerungen den achten Tag, die Wiedergeburt. In der Mitte befindet sich ein sechseckiges Taufbecken, das Ergebnis einer Restaurierung aus dem 19.Jh. Es wird von sechs Säulen flankiert, die ein ist sowohl eine flache Abdeckungals auch den Umgang zu den Seiten wänden hin stützen.

Die Chromatius Halle ( Südhalle)

Zwargreift das Bodenmosaik des Chromatius die geometrische Structur des theodorianischen Mosaiks auf, der figürlicheTeilfällt jedoch kleiner und schlichter aus. Die Figuren in der Mitte sind stilisiert, ja fast fern der Realität dargestellt, haben aber gleich wohl einen groβen symbolischen Wert. Auβen west das Bodenmosaik der Südhalle geometrische Muster auf. Die sechs Achtecke des mitteleren Teils warden dagegen von eben so vielen Schafen oder Lämmern. An der westen Wand, finden wir das wunderschönes Pfaunenmosaik, das in einer Konstruktion zwischen die Basilica und die Chromatius Halle befindet wurde.

Der Campanile

Der imposante Campanile von Aquileia, der sich neben der Patriarchenbasilka erhebt, wurde in der ersten Hälfte des 11.Jh unter Patriarch Poppo erbaut. Es war auch am Ende des 14.Jh bis 73 m erhöhet. Die Besichtigung des Campaniles ist interessant um die Ausblick ( Alpen, Mer, Karst)und auch die theodorianische Mosaikboden zu sehen, die an der Nordkirche gehörte.